…vor 32 Jahren – 30.8.1994:
Beim sechsten Versuch, Kola Bankole nach Nigeria abzuschieben, töten die Behörden den Flüchtling. Nachdem sie ihn in Hockstellung gefesselt in das Flugzeug gebracht hatten, konnte er sich gegen das Anlegen der Sicherheitsgurte wehren, woraufhin die Beamten ihn mit einem aus Socken und Rolladengurt improvisierten Knebel traktierten und ein Arzt einen Haloperidol-Psyquil-Cocktail spritzte. Als der Kreislauf seines Opfers versagte, klassifizierte der Arzt die Symptome als „nigerianertypische Selbsthypnose“. Nur gegen den Arzt wird später ein Verfahren eröffnet, dann aber wegen geringer Schuld gegen Zahlung von 5000 Mark eingestellt.
…vor 34 Jahren – 30.8.1992:
Als erste Frau auf einem lutheranischen Bischofssitz beginnt Maria Jepsen in Hamburg ihre Arbeit.
…vor 43 Jahren – 30.8.1983:
Während das Oberverwaltungsgericht Berlin noch berät, ob es vielleicht doch Gründe gebe, den linken Aktivisten Cemal Altun nicht an die türkische Militärregierung auszuliefern, springt Altun durch ein offenes Fenster. Er überlebt den Sturz aus dem sechsten Stock nicht. Die Bundesregierung, die schon zuvor Menschen in Folter und Tod in der Türkei ausgeliefert hat und noch Dutzende weiterer Auslieferungsersuchen prüfen lässt, äußert, man habe nicht mit einer Verzweiflungstat rechnen können. Heute steht ein Gedenkstein für Altun vor dem Gericht in der Berliner Hardenbergstraße 20.
…vor 48 Jahren – 30.8.1978:
Die CDU-Landtagsfraktion in Stuttgart wählt den bisherigen Innenminister Lothar Späth zum Nachfolger des über seine Naziverstrickungen gestolperten Ministerpräsidenten Filbinger (vgl. 7.8.1978) und verwirft damit die Kandidatur des NS-Generalssohns Manfred Rommel. Späth herrscht bis 1991 und muss dann wegen überdichten Filzes mit verschiedenen Unternehmen abtreten.
…vor 87 Jahren – 30.8.1939:
Ein sechswöchiger Ernteeinsatz von fast 700 Studierenden aus Heidelberg („Kampfgefährten der deutschen Volksgenossen gegen den hemmungslosen Machthunger der Polen“, so der NS-Studifunktionär Kenne im Hochschulführer WS 39/40) endet. Die Reichsstudentenführung hatte ihn angegeordnet, nachdem die polnische Regierung wegen der zunehmend aggressiven Rhetorik aus Deutschland die Ausreise der schon damals üblichen ErntehelferInnen unterbunden hatte.
Wir sammeln Jahrestage entweder mit Bezug auf Heidelberg oder von generellem Interesse für linksorientierte Menschen. Rohdateien pflegen wir in einem subversion Repository getrennt nach Themen (d.h., wer will, kann den Heidelberg-Kram auch ignorieren und nur die linken Sachen haben). Wir freuen uns, wenn Menschen mitsammeln wollen und geben dazu gerne Schreibrechte.