Kundgebung: "Schluss mit dem Heldengedenken am Ehrenfriedhof" gegen die Gedenkfeier von Stadt Heidelberg, Militär und Burschenschaften zum Volkstrauertag

Sonntag, 16.11.2003 , 10:30

"Ehren"friedhof, Nähe Bierhelder Hof/MPIK

Langtexte kommen meist von den VeranstalterInnen. Das Sozialforum ist hier nur Bote.

Vorbereitungstreffen am Sonntag, den 19. Oktober 2003, um 18.30 Uhr im Café Gegendruck Heidelberg (Fischergasse 2)

Das Mobilisierungsflugblatt:

"Heldengedenken" am Ehrenfriedhof: Die Stadt Heidelberg beim Ringelpiez mit Militaristen und Faschisten

Wie jedes Jahr veranstaltet die Stadt Heidelberg auch diesmal am so genannten "Volkstrauertag" eine Gedenkveranstaltung auf dem Heidelberger Ehrenfriedhof. Der Ehrenfriedhof, angelegt für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges - mit Ausnahme der jüdischen, deren Namen aus den Listen getilgt wurden - und 1934 eingeweiht durch den Nazi-Bürgermeister Carl Neinhaus, ist nach dem Krieg zu einer Gedenkstätte für die gestorbenen Wehrmachts- und SS-Angehörigen erweitert worden. An der Konzeption dieses Musterbeispiels faschistischer Ästhetik ist nichts verändert worden, lediglich eine dezente Inschrift mit dem Text "Den Opfern von Krieg und Gewalt" ist an dem monumentalen Felsblock im Zentrum der Gedenkstätte angebracht worden.

Kein Wunder, dass solch ungebrochene Traditionspflege wie ein Magnet auf alte und neue Nazis wirkt. So legten am 8. Mai vergangenen Jahres - dem Jahrestag des Siegs über den Nazifaschismus - Mitglieder militanter neonazistischer Kameradschaften der Region Kränze für die gefallenen Wehrmachtssoldaten nieder.

Aber auch die offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Heidelberg zieht zunehmend Rechte aller Couleur an. War Beate Weber noch nach ihrer Wahl mit der proklamierten Absicht angetreten, den militaristischen Charakter der Veranstaltung zumindest zu mildern, werden heute wieder mit militärischem Ehrenzeremoniell und Bläsersignal Kränze niedergelegt. Im Zuge der Militarisierung der deutschen Außenpolitik, die unter der Führung von SPD und Grünen die BRD auch militärisch wieder zur Großmacht gemacht hat, sind auch längst überwunden geglaubte Griffe in die ideologische und propagandistische Mottenkiste nicht mehr tabu.

Die rechtsextreme Burschenschaft Normannia, die die Teilnahme an der "Ehrenfriedhofsfeier" nach eigenem Bekunden seit Jahren zu einem Schwerpunkt ihrer öffentlichen politischen Intervention gemacht hat, schritt im vergangenen Jahr zum ersten Mal ungehindert im offiziellen Trauerzug der militärischen Würdenträger mit. Ließ die Normannia bei dieser Gelegenheit in den vergangenen Jahren auch ungerührt manche sozialdemokratische Gutmenschenfloskel an sich vorbeiplätschern, wurde sie bei anderer Gelegenheit schon konkreter: So etwa bei den regelmäßigen Veranstaltungen mit rechtsextremen Referenten auf ihrem Haus am kurzen Buckel oder beim Flugblätterverteilen auf der Hauptstraße, wo sie schon mal offen gegen "die Macht des jüdischen Finanzkapitals" (Sommer 2000) oder gegen die "Cocalisierung der deutschen Gesellschaft" (Sommer 2003) hetzt.

Die Rede des ersten Bürgermeisters Raban von der Malsburg (CDU) im vergangenen Jahr dürfte dementsprechend so ganz nach dem Geschmack der rechtsextremen Burschenschafter gewesen sein. Von der Malsburg verkündete dort auch im Namen der sozialdemokratischen Oberbürgermeisterin Weber, nachdem er der gefallenen Wehrmachtssoldaten gedacht hatte: "Soldaten müssen weiter in Kriege ziehen, um Recht und Freiheit zu schützen." (Rhein-Neckar-Zeitung, 18.11.2002)

Auch ältere Besucher der Gedenkveranstaltung ließen alle Masken fallen und beschimpften protestierende AntifaschistInnen mit dem ganzen Repertoire rechtsextremen Unflats. Mitglieder der AIHD hatten auf Flugblättern an die Heidelberger Deserteure erinnert, die ihren Widerstand gegen den deutschen Militarismus mit dem Leben bezahlten. Schon die scheinbar unpolitische Stoßrichtung, mit der in den vergangenen Jahren der "Opfer von Krieg und Gewalt" gedacht wurde, zielte von Anfang an darauf, den Unterschied zwischen Tätern und Opfern zu verwischen. Wer die Akteure des Vernichtungskrieges mit den Ermordeten als gemeinsame Opfer eines anonymen Molochs darstellt, betreibt Geschichtsklitterung und verhöhnt die tatsächlichen Opfer des deutschen Massenmords.

Wer in einer Zeit, in der deutsche Soldaten auf den Spuren ihrer Wehrmachtsgroßväter marschieren - wie in Serbien und Mazedonien - gemeinsam mit Rechtsextremen der gefallenen deutschen Täter gedenkt, treibt ein gefährliches Spiel mit der Rehabilitierung rechten Gedankengutes.

Schluss mit dem "Heldengedenken" am Ehrenfriedhof! Deutsche Täter sind keine Opfer! Deutschland endgültig entmilitarisieren!

unimut